craft Beer

Was ist denn eigentlich dieses Craft Beer? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Sie ist eigentlich ganz einfach zu beantworten – und auch wieder nicht.

 

Keep on brewing

Der etwas einfachere Teil der Antwort liegt auf der anderen Seite des Großen Teichs. Dort hob US-Präsident Jimmy Carter  1978 das Heimbrauverbot auf. Ob der ansonsten eher glücklose Präsident ahnte, was er damit auslöste, wissen wir nicht – es war aber eine Revolution. Als Antwort auf die eher schlichten Biere der US-amerikanischen Braukonzerne begannen Amerikaner in einer Craft-Beer-Bewegung in ihren Garagen Bier zu Brauen. Wo das, was Amerikaner in ihren Garagen so treiben, hinführen kann, wissen wir aus der Computerindustrie.  Zumindest einige dieser Garagenbrauer haben aus dem Homebrewing inzwischen recht große, teilweise über den US-Markt hinaus bedeutende Brauereien entwickelt. Andere haben aus bestehenden kleinen Brauereien kreative Unternehmen gemacht.
„Craft“ kann man mit „handwerklich“  oder „kunstfertig Gebrautes“, wie die Biersommelier-Kollegin Sylvia Kopp es tut, übersetzen. Der US-Brewers Association definiert Craft-Brauer im Kern jedenfalls als small, independent und traditional – also als  klein, unabhängig und traditionell.
Klein bedeutet in diesem Fall, dass höchstens 6 Millionen Barrel im Jahr gebraut werden dürfen. Das entspricht etwa 9,5 Millionen Hektoliter.
Unabhängig ist eine Brau nach dieser Definition, wenn nicht mehr als ein Viertel einem Konzern gehört.
Traditionell bedeutet, dass ein Bier größtenteils aus den klassischen Brauzutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe bestehen muss.

Kreativbier

Womit wir beim schwierigen Teil der Antwort sind, Der Biersommelier und Braue Oliver Wesseloh erklärt das Problem mit der einfachen Antwort so: „Wir können nicht einfach die Definition der US-amerikanischen Brewers Association übernehmen, denn dann wird der Begriff ad absurdum geführt.“  Nach der amerikanischen Definition wäre in Deutschland fast jede Brauerei, die nicht einem Konzern gehört eine Craft-Brewery. Im Saarland zum Beispiel wären Bruch, Grosswald und Karlsberg  Craft-Breweries. Nicht, dass dort kein gutes Bier gebraut wird, aber brauchen wir dafür einen neuen Namen?

Große Brauereien versuchen inzwischen den Eindruck zu erwecken, dass sie ja eigentlich auch Craft-Beer brauen – man reagiert auf die Nachfrage.  Und „Craft“ ist ja kein geschützter Begriff.
Oliver Wesseloh würde in Deutschland viel lieber von Kreativbier reden.  Und für diesen Begriff auch Regeln aufstellen. Unter anderem diese: Die Brauerei sollte nicht nur vom Inhaber geführt sein, er sollte auch „am Tagesgeschäft beteiligt sein“. Es soll transparent sein, was im Bier drin ist. Kreativbrauereien sollen keine Knebel-Lieferverträge mit Gastronomen schließen – also Verträge die vorsehen, dass nur das Bier der einen Brauerei in einer Kneipe verkauft werden darf.  Und der Kreativbrauer verwendet nur natürliche, nicht genmanipulierte Rohstoffe.
Aber auch Oli Wesseloh weiß: Der Begriff Craft Beer ist auch in Deutschland nicht mehr aus dem Sprachgebrauch zu streichen. Deshalb wird es manchmal schwierig, wenn Ihr uns fragt: Was ist denn eigentlich dieses Craft Beer?